Freitag, 23. Oktober 2015

Sterntaler und Brücke


Bei der Auftaktkonferenz der Europa 2019 Credit Initiative im August fand sich auch Gelegenheit, auf die Bildmotive einzugehen, wie sie auf der Titelseite der Broschüre "Der europäische Weg der Wirtschaft und des Geldes" oder auf der Webseite des Projektes zu finden sind: Das Sterntaltermädchen und die Brücke. 

Diese beiden Bildelemente sind der Gestaltung zweiter Banknoten entnommen. Auf den Euroscheinen findet man vom 5er bis zum 500er neben Toren und Fenstern auch stilisierte Brückenmotive aus den verschiedenen Jahrhunderten (s. Wikipedia). Die 500-Euro-Note ziert eine moderne Pylonbrücke und weist damit ins 21. Jahrhundert.

Das Europa 2019 Projekt will mit einem zeitgemäßen Geldbegriff auch die Brücke schlagen, in die Zukunft einer modernen assoziativen Wirtschaft!

Samstag, 10. Januar 2015

Je suis Olaf

 (splitter no.2)*


Motiv aus dem Traumlied von Olaf Åsteson
(Zeichnung Loes Swart)
Um die Zeit in ihrer geistigen Realität zu erkennen, müssen wir die Ereignisse des Zeitgeschehens mit dem "apokalyptischen" Blick zu durchdringen versuchen. Die zurückliegenden Tage, die Bilder, die zu den aktuellen Ereignissen über alle Kanäle ins Haus geliefert wurden, mögen bei dem Wort "apokalyptisch" auch das landläufige Verständnis von "Weltuntergangsszenario" nahelegen. Doch so soll es nicht verstanden werden – vor allem nicht in äußerlicher Hinsicht. Apokalypse meint "Entschleierung". Der "apokalyptische Blick" versucht hinter den Schleier zu schauen.

Und so kann gefragt werden: Hat das uns in den letzten Tagen so sehr beschäftigende Ereignis des Terroranschlages auf das Französische Satire Magazin "Charlie Hebdo" dem neuen Jahr 2015 – gleich zu seinem Beginn – eine besondere Prägung gegeben? Wurde hier ein Thema angeschlagen, das uns nun über längere Zeit beschäftigen wird, auch schon beschäftigt hat in vergangenen Jahren, das aber jetzt eine neue Dimension bekommen soll bzw. bekommen wird? Eine Gefahr, die aufzuziehen droht, aber zugleich eine Aufgabe, die uns damit gestellt wird?

Dienstag, 6. Januar 2015

Das Traumlied von Olaf Åsteson

Hans Niessen singt das Traumlied
(4. Januar 2015 in Achberg)
Seit drei Jahren wird im Rahmen der Achberger Weihnachtstagungen nun schon das „Traumlied des Olaf Åsteson“ gepflegt. So auch in diesem Jahr. Das norwegische mittelalterliche Lied wurde von Generation zu Generation mündlich überliefert. Erst im 19. Jahrhundert wurden die noch bekannten Strophen gesammelt und aufgezeichnet. Der norwegische Text wurde auch an Rudolf Steiner herangebracht, der ihn mit Hilfe von Ingeborg Møller-Lindholm übersetzte und ab 1910 in verschiedener Weise in die anthroposophische Arbeit mit einflocht.

Vor 100 Jahren am Silvesterabend des Jahres 1914 (GA 275 Kunst im Lichte der Mysterienweisheit) fand Rudolf Steiner folgende Worte, die er der Rezitation des Liedes durch Marie Steiner voranstellte:

„Wir beginnen diese Feier unseres Jahresschlusses damit, daß uns Frau Dr. Steiner die schöne norwegische Legende von Olaf Åsteson zum Vortrag bringen wird, von jenem Olaf Åsteson, der, als die Weihnachtszeit herannahte, in eine Art von Schlaf verfiel, welcher dreizehn Tage dauerte: die heiligen dreizehn Tage, die wir bei verschiedenen unserer Betrachtungen kennengelernt haben. [...]
Olaf der Erdensohn, erlebt in diesen dreizehn kürzesten Tagen, indem er entrückt ist in den Makrokosmos, mancherlei Geheimnisse des Weltenalls. Und die nordische Legende, die in neuerer Zeit wieder ausgegraben worden ist aus alten Nachrichten, berichtet uns von den Erlebnissen, die Olaf Asteson hatte zwischen der Weihnachts- und Neujahrszeit bis zum 6. Januar. Wir haben wohl Veranlassung, öfter zu gedenken dieser alten Art des Einlebens des Mikrokosmos in den Makrokosmos“.

Loes Swart, eine Mitarbeiterin des Internationalen Kulturzentrums Achberg, hat aus unserer Befassung mit dem Taumlied den Versuch gemacht, sich mit 13 Zeichnungen ("Illustrationen") in die Motive des Traumlieds zu vertiefen. Der Text ist die Übersetzung Rudolf Steiners (a.a.O).


DAS TRAUMLIED VON OLAF ÅSTESON

 I.

So höre meinen Sang!
Ich will dir singen
Von einem flinken Jüngling:

Es war das Olaf Åsteson,
Der einst so lange schlief.
Von ihm will ich dir singen.

Montag, 22. Dezember 2014

Weihnachtsgruß


Zum Ausklang des Gedenk- und Verantwortungsjahres 2014, das uns
100 Jahre nach 1914 abermals in eine "Zeit der Prüfung" unserer Seelen
hineingeführt hat, möchte ich allen diesen Gedanken Rudolf Steiners
für die heilige Zeit zwischen den Jahren ans Herz legen.

Frohe Weihnachten!  



Donnerstag, 27. November 2014

splitter no.1

Vom respektvollen Umgang mit Russland
oder: Was ist das eigentlich Ignorierte



Welchen der Steine du hebst –
du entblößt,
die des Schutzes der Steine bedürfen:
nackt,
erneuern sie nun die Verflechtung.

Welchen der Bäume du fällst –
du zimmerst
die Bettstatt, darauf
die Seelen sich abermals stauen,
als schütterte nicht
auch dieser
Äon.

Welches der Worte du sprichst –
du dankst
dem Verderben.




Passfoto des 18-jährigen Paul Celan
Dieses Gedicht Paul Celans, das 1955 in dem Gedichtband “Von Schwelle zu Schwelle” erschienen ist, kam mir beim wiederholten Besinnen dessen in den Sinn, was sich an Debatten und Wortmeldungen zu "Putin" und dem "Westen", speziell der Frage eines adäquaten Verhältnisses und Umgehens mit Russland derzeit alles regt – der Inhalt ist austauschbar.

Von Schwelle zu Schwelle – die Ohnmacht in den obigen Zeilen Celans führt an sie heran. Was kann getan werden, ohne dem Verderben zu danken?

"Wir müssen mit Russland per sie sein", "Ohne Russland gibt es keine Stabilität", hören wir von unverdächtiger Seite.

Doch: Ob diese Sätze Wahrheit sprechen oder der Lüge dienen, hängt von anderem als der Worthülse ab. Welcher Begriff von "Russland" ist im Spiel? Von "Stabilität"? Von...?

Wenn wir schon immerzu von "Mainstream-Medien" hören, die unausgewogen berichten, die "die andere Seite ignorieren", dann sollten wir fragen, was das dort eigentlich Ignorierte ist, das, wodurch die eigentliche "Ausgewogenheit" ins Spiel kommt?

Montag, 6. Oktober 2014

Denken als okkulte Kraft – statt Hellsehen

Der folgende Aufsatz ist ein Beitrag von Roland Tüscher in der Nr. 17/2014 der anthroposophischen Mitglieder-Korrespondenz "Ein Nachrichtenenblatt" der Initiative Entwicklungsrichtung Anthroposophie. Er erscheint hier als Gastbeitrag, da sein Inhalt Wesentliches, was auch zum geisteswissenschaftlichen Selbstverständnis dieses Blogs gehört, in pointierter Weise zur Sprache bringt.

***

„Unsere Aufgabe besteht heute darin, das Okkulte im Manas, im reinsten Element des Gedankens zu erfassen. Das Erfassen des Spirituellen in diesem feinsten Destillat des Gehirns ist die eigentliche Mission unserer Zeit. Diesen Gedanken so kraftvoll zu machen, dass er etwas von okkulter Kraft hat, das ist die uns gestellte Aufgabe, um unseren Platz für die Zukunft ausfüllen zu können.“[1]
Rudolf Steiner


Kopf der Mitglieder-Zietischrift "Ein Nachrichtenblatt"
1909 hält Rudolf Steiner einen Rückblick auf die ersten sieben Jahre Erarbeitung von Anthroposophie und fragt: „Welches ist die richtige Art, in der sich der Anthroposoph zur Geisteswissenschaft selber stellen kann?“[2] In einer relativistisch gewordenen Auffassung von Anthroposophie, wie sie sich heute ausbreitet, würde eine solche Fragestellung aus dem Munde jedes andern Anthroposophen wie eine Provokation klingen. Wer nimmt sich heraus, über die “richtige“ Art der Stellung zur Anthroposophie zu entscheiden? Das kann doch im Sinne “freilassender Offenheit“ nur jeder für sich selber tun?

Samstag, 14. Juni 2014

Friedensidee Europa?

In der aktuellen Ausgabe der österreichischen Zeitschrift "Wegweiser Anthroposophie" erscheint folgender Aufsatz. Besonders freut es mich, dass so auch auf den 15. Geburtstag der Initiativ Gesellschaft EuroVision hingewiesen werden konnte.

Der Aufsatz im "Wegweiser Anthroposophie" mit dem Logo der
IG-EuroVision auf einer an Board der Bodensee-Fähre "Euregia" gehissten
Fahne, anlässlich der Gründung am 24. Juli 1999: Im Sternenkranz
der Gemeinschaft der dreigliedrige Mensch mit seinem Ich

Freitag, 13. Juni 2014

Dreigliederung und Gewaltenteilung

Auf meinem nicht explizit anthroposophischen Blog, "zapata33.com - die zukunft der revolution" habe ich einen Text veröffentlicht, der in aktualisierter Weise versucht, die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus kompakt für eine allgemeine Öffentlichkeit darzustellen.

Ausgangspunkt war eine Anfrage, zum Thema "Neue Gewaltenteilung" Stellung zu nehmen. Da dieser Aspekt in der Achberger Dreigliederungforschung in Gestalt einer ausdifferenzierten Souveränitätenlehre figuriert, war es naheliegend, die aktuellen sozialen Gestaltungsaufgaben unter dieser Perspektive zu beschreiben. 


Samstag, 15. März 2014

Blicke auf die Ukraine

Wie alle Zeitgenossen hat auch mich in den letzten Wochen das Schicksal der Ukraine beschäftigt. Ich möchte aus dem, was mich dabei befasste, drei "Splitter" mitteilen: Einen kurzer Text, den ich schon vor eineinhalb Wochen geschrieben habe, eine besondere Fügung, auf die mich ein Freund gestern aufmerksam gemacht hat und eine persönlich-überpersönliche Gegebenheit. Ich beginne mit dem kurzen Text, der entstanden ist, als ich mich eines Zitates von Rudolf Steiner erinnert habe.

In ideenlosen Zeiten ...



Picasso, 1949

War, was in der Ukraine geschehen ist, ein Putsch gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten oder eine Revolution – ein „Kiewer Frühling“ – gegen einen Diktator? Hat die EU der Ukraine bloß einen Platz in ihrer friedlichen Völkerfamilie angeboten? Russland hingegen das Interesse, seine globale Größe in einem eigenen eurasischen Machtblock zu befestigen und ist dann das Vorgehen des Westen, der USA nicht doch darauf gerichtet, die Region zu destabilisieren, um solches zu verhindern? – Sind es die selben Strategien, die schon vor 100 und mehr Jahren betrieben wurden, um Russland zu schwächen, indem man die angrenzenden Regionen von der „russländischen“* Einflusssphäre abtrennt? Oder wird, gepaart mit politischer „Nullität“, aus kollektiven Gewohnheiten gehandelt und war es für die Akteure nicht vorhersehbar, dass die Annäherung der EU an die Ukraine Gespenster wecken würde und ein solches Vorhaben eine Sprengkraft enthielte, die sich jetzt auch entladen hat? Und wird das nicht alles in Kauf genommen, um letzlich wirtschaftlichen Einfluss auf den Energiemärkten zu sichern?

Samstag, 22. Februar 2014

Individualisierung und globale Solidarität

Unsere menschheitliche Verantwortung im
Spannungsfeld von "Individualisierung und
globaler Solidarität" – Kartenentwurf 2004
Unter dem Title "Individualisierung und globale Solidarität" findet vom 13. bis zum 21. April 2014 die Ostertagung des Internationalen Kulturzentrums Achberg statt.

Gefragt wird nach den geschichtlichen Herausforderungen im Spannungsfeld antisozialer Entwicklungs-Kräfte im Menschen und umfassender wirtschaftlicher Globalisierung der Welt sowie nach den sich daraus ergebenden Erkenntnis- und Sozialgestaltungsaufgaben von 2014-2018/19 und im ganzen ersten Drittel des 21. Jahrhunderts?

Weitere Informationen und Anmeldung auf der Webseite des Internationalen Kulturzentrums.

Die Tagung im im "Gedenk- und Verantwortungsjahr 2014" schließt mit der Zeitenkonstellation "100 Jahre Erster Weltkrieg" auch unmittelbar an die INKA-Weihnachtstagung an, über die ››› hier  ein erster Bericht erschienen ist.