Montag, 16. September 2013

Ein apokalyptischer Blick auf den 11. September 2001 – 2. Teil


Zur Aktualität eines Werkes von Joseph Beuys:

Cosmos und Damian – ein apokalyptischer Blick auf den 

11. September 2001

2. Teil


Fortsetzung des ››› 1. Teils


Ortsgeschichte Manhattans und Gestaltungsmotive an der Architektur der Twin-Tower


Der dreigliedrige Bau der Twin Tower – Foto: Aaron Logan
Indem Beuys diesem Ort der Weltwirtschaft, wie er durch die Zwillingstürme des World Trade Centers repräsentiert war, die Namen dieses speziellen Brüderpaares hinzufügt, also den jeweiligen Baukörper von unten bis oben mit diesen beiden Namen markiert, ist objektiv gesagt: Die Weltwirtschaft soll in Zukunft dem Geist von Cosmos und Damian folgen, auch wenn sich mit der äußeren Architektur der Wolkenkratzer und ihrer triumphalischen Geste der entgegengesetzte Geist durchgesetzt zu haben schien, der Geist der Macht und des Geldes. Aber ist das wirklich so? Was zeigt sich, wenn man andere Elemente der Formensprache der Türme, von denen weniger als eine Ruine übrig blieb, einmal genauer betrachtet?


Zwischen den rippenartigen Strängen
entsteht die Form gotischer Spitzbögen
Dann sieht man, wie die Türme insgesamt in drei Abschnitte gegliedert waren. Also die Sache optisch eine Dreigliederung zeigt. Man hatte unten eine hohe Eingangshalle, oben zwei Ebenen, wo man die Lifte wechseln konnte, die sogenannten „sky lounges“ und ganz oben jeweils eine Aussichtsterrasse. So gliederten sich die Zwillingstürme horizontal dreifach. Aber auch bei der Fassadengestaltung spielte die „Drei“ eine wichtige Rolle, indem nämlich die rippenartigen Stränge, die von unten bis oben die Wolkenkratzer überzogen, immer in Bündeln zu je drei zusammengefasst waren. Diese Dreier-Bündel laufen auf der Ebene der Eingangshalle so auseinander, dass dazwischen die Form von gotischen Spitzbögen entsteht. Möglicherweise hat der Architekt, der Japaner Yamasaki, damit ein Motiv aus der Nachbarschaft des WTC aufgegriffen, wo es durch die nahestehende „Trinity Church“ in Erscheinung tritt. So kann man ja vielleicht sehen, wie Joseph Beuys hier schon durch diese Türme selbst aufmerksam wurde, einfach dadurch, dass es Brüder sind, Zwillinge und auch dadurch, dass sie selbst schon einiges zum Ausdruck bringen in der Formensprache – und ein Künstler achtet ja besonders auf die Formensprache – was da schon hinausweist über das, was da zunächst eigentlich zum Ausdruck gebracht werden wollte in den Intentionen, die aus den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen herrühren.

Die Trinity Church in Manhattan
So kann man sehen – und auch das ist eine der zu beobachtende Gesetzmäßigkeit, die zu der Disziplin des apokalyptischen Lesens gehört – wie in diesen Dingen oftmals eine Doppelheit zum Ausdruck kommt: In dem von den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen Geprägten äußert sich schon etwas, was auf die Transformationsaufgabe hinweist.


Weitere Motive aus Zeit und Ort


Und wenn man jetzt schaut, was diese bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse sind, dann werden wir ja wieder in diese Zeit der 70er-Jahre oder eigentlich noch in die 60er-Jahre geführt, denn die Türme, die am 11. September 2001 zerstört wurden, wurden ja schon am Anfang der 60er-Jahre für Manhattan geplant und der eigentliche Baubeginn ist dann der August des Jahres 1968, also genau jener Zeitpunkt, wo in Prag der Prager Frühling niedergeschlagen wurde. Also da ist der Baubeginn und die Eröffnung findet dann, im April 1973 statt, nachdem schon einige Zeit vorher die Bauarbeiten abgeschlossen waren, aber man den Platz zwischen den Türmen noch künstlerische zu gestalten hatte. Und in dem selben Jahr nun fand dann am 11. September der zuvor schon genauer betrachtete Putsch in Chile statt – drei Wochen nachdem in Achberg der erste Jahreskongreß „Dritter Weg“ zum Thema „An der Schwelle einer neuen Gesellschaft – 5 Jahre Prager Frühling“ zu Ende gegangen war, an dem Beuys ja wie schon gesagt einer der Mitwirkenden war.


Dieser Putsch in Chile entstand ja auch aus der Situation, dass man aus dem kapitalistischen System heraus eigentlich Macht und Stärke in der Welt demonstrieren wollte, wie ja durch all die Jahrzehnte hindurch im Kalten Krieg die beiden Gesellschaftssysteme gegeneinander konkurrierten: Wer ist als Erster auf dem Mond, wer hat die beste Technik: ein Wettstreit, welches System das leistungsfähigere ist. In diesem Zusammenhang stellt sich das kapitalistische System auch dadurch dar, dass es die damals höchsten Gebäude der Welt errichtet: Die Zwillingstürme des World Trade Centers.

Die Skyline von Manhattan mit den herausragenden Zwillingstürmen
Foto: JohnnyG

Interessant ist dabei auch, wann es beschlossen wurde, dieses Gebäude zu bauen, und da kommen wir dann wieder auf diese Gesetzmäßigkeit, auf die ich noch eingehen werde (siehe auch 1. Teil, FN2). Der Beschluss, diese Gebäude zu bauen, wurde 33 Jahre nach der Fertigstellung des bis dahin höchsten Gebäudes, des Empire State Building, getroffen. Jetzt wollte man ein noch höheres errichten. Auch diesem Zusammenhang könnte man noch weiter nachgehen.


Die Wallstreet mit Blick auf die Trinity Church
Foto: Hu Totya
Doch zurück zu dem Gedanken des „kapitalistischen Prinzips“. Es wird auch durch den folgenden Zusammenhang charakterisiert: Was sozusagen seit 1973 sichtbar geworden war in der Skyline von New York, vom Atlantik aus sozusagen ins Auge stechend, wenn man mit dem Schiff ankommt, das kann man ja auch als das Wallstreet-Prinzip verstehen, also mit dem Namen der Straße, an der die New Yorker Börse liegt. Was hat es mit dieser Geschichte symptomatologisch auf sich?
Die Wallstreet mit der Börse liegt ja nicht sehr weit vom Standort des WTC, wie auch die genannte Trinity-Church in unmittelbarer Nachbarschaft. Wie kommt es in Manhattan zu diesem Straßennamen „Wallstreet“, unter dem heute synonym das kapitalistische Wirtschaftssystem verstanden wird?

Geht man den Spuren nach, führen diese zurück bis ins 17. Jahrhundert, in die Zeit, als in Manhattan die niederländischen Eroberer, Kaufleute waren sie, mit den dort lebenden Indianern zusammenstießen und – so wird es überliefert – ihnen die Halbinsel für die mittlerweile legendär gewordene Summe von 60 Gulden abgekauften. Man weiß ja nicht, wie viel das heute ist, aber sicher nichts im Vergleich zu dem, was die Indianer mit dem Verkauf verloren hatten. Aber unabhängig von der Frage, wie hoch der Preis war, ist ja zu bemerken, dass hier am Ausgangspunkt einer Entwicklung, die zu dem geführt hat, was wir hier bedenken, gleich das Eigentumsprinzip eingreift, indem hier Grund und Boden, Lebens- und Wirtschaftsgrundlage, gekauft wird.
Nun hatten aber die Indianer einen solchen Eigentumsbegriff überhaupt nicht. Sie bekamen ja auch nicht 60 Gulden in Geld, sondern Glasperlen, die sie zwar angenommen haben, aber gar nicht verstanden, dass sie jetzt ihr Land verlassen müssen, weil sie es verkauft hatten. Das war nicht in ihrem Weltbild vorhanden, also musste man sie vertreiben, nachdem man diesen Kauf getätigt hatte, und hat dann, um sie sozusagen fern zu halten von dem Erworbenen, einen Schutzwall gebaut. An diesem Schutzwall, der zunächst aus Holz errichtet wurde, ist eine Straße entstanden, die dann eben Wallstreet genannt wurde. Und weil sie zum Hafen führte, wo die Handelsschiffe ankamen, siedelten sich an dieser Straße die Banken an und irgendwann auch die Börse, deren Adresse der Name der Sache selbst wurde: Wallstreet.

Mit dem Bau der WTC-Türme ließ man dann dieses „Mauer-Phänomen“ sozusagen in den Himmel wachsen. So dass man auch sagen kann: Da ist eigentlich der Sache nach 1973 eine „Turm gewordene Mauer“ in Funktion getreten und das Prinzip, das am Ausgangspunkt der europäischen Besiedelung Manhattans stand, ist immer mehr und mehr zum weltwirtschaftlichen Prinzip geworden. 28 Jahre später wird die Turm gewordene Mauer beseitigt.


1956 – 1961 – 1968 – 1973 – 1989 – 2001:Das Mauer-Prinzip in Manhattan und die Berliner Mauer


Es ist interessant, dass auch eine andere Mauer über die Dauer von 28 Jahren bestand. Jene Mauer, die 1961 in Berlin errichtet wurde. Aus Sicht seiner Erbauer war diese Mauer ein „antifaschistischer Schutzwall“, der nicht gebaut wurde, um den Eigentumsbegriff zu verteidigen, sondern im Gegenteil, um seine Auswirkungen draußen zu halten. Mit seiner Beseitigung blicken wir auf das Datum des 9. November 1989. Der 9. November und der 11. September hängen so motivisch konktet zusammen, indem hier wie da ein „Mauer-Phänomen“ abgeräumt, beseitigt wurde. So klingen der 9.11. und der 11.9., der ja in den USA als „nine eleven“, also auch 9.11. geschrieben wird zusammen.

Es geht dabei aber nicht um ein „Zahlenspiel“. Das Entscheidende ist, die Motivik dahinter zu erkennen. Sie bildet das Fundament, das geistig-begriffliche Fundament für die Feststellung des Zusammenhanges der beiden Ereignisse: In beiden Fällen wird etwas beseitigt im Zusammenhang mit dem Versäumen einer eigentlich gestellten Aufgabe. Das eine Mal geschieht es durch ein tragisches Ereignis, durch einen Terrorakt, beim anderen Mal wird es als etwas erlebt, was die Menschen euphorisierte. In verschiedenen Publikationen der anthroposophischen Bewegung wurde es gar als „Wink des Zeitgeistes“ gedeutet und zum Teil hält man bis heute an diesem Verständnis fest.1

Bei dieser Sicht auf die Ereignisse von 1989 wird oft übersehen, dass mit dem Beseitigen der Berliner Mauer ja auch die Konstellation des Ost-West-Gegensatzes beseitigt wurde, aus der heraus die Aufforderung entstanden war, aus Mitteleuropa heraus die Brücke zu bilden: Also aus der Kraft der Demokratie die Synthesevon Freiheit und Sozialismus zu schaffen, wie dies der „Prager Frühling“ 1968 versucht hatte und durch die „brüderliche Hilfe“ der Sowjetunion und ihrer damaligen Verbündeten daran gehindert wurde und wie es 1973 in Chile versucht wurde und mit Hilfe der USA im Keim erstickt wurde. – Dennoch kann man ja, dialektisch gedacht, auch diese Dekonstruktions- und Destruktionsvorgänge als Symptome, als Aufforderung verstehen, sich spätestens jetzt der eigentlichen Aufgabenstellung, in Mitteleuropa den Systemgegensatz zu überwinden, bewusst zu werden.

Wenn einen, wie das bei mir der Fall war, das Schicksal hierher nach Achberg führt und man so die Dinge Schritt für Schritt kennenlernt, dann ergibt es sich, dass einem diese Aufgaben bewusst wird, so wir sie auch bei Beuys finden.

In seiner Münchner „Rede über das eigene Land“ am 20. November 1985, also wenige Wochen vor seinem Tod, berichtet er, wie es ihm wie ein Aufruf im Bewusstsein gestanden habe, dass es seine Lebensaufgabe sei, „einen umfassenden Anstoß“ zu geben für die Aufgabe, die das deutsche Volk, in das er hineingeboren war, als mitteleuropäisches eigentlich hätte. Dass aber dieses deutsche Volk in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so katastrophal versagte gegenüber dieser Aufgabe der Transformation der bestehenden Verhältnisse in der Perspektive eines Dritten Weges mit den Idealen der Freiheit, der Demokratie und des Sozialismus als dessen Wesenskern! Was ja, wie Beuys betont, eine Gestaltungsaufgabe ist, die nicht ein Einzelner erfüllen kann oder viele Einzelne, sondern die alle gemeinsam haben: das Volk als der zeitgemäße Souverän des staatlich-politischen Rechtslebens einer Gesellschaft.

Das kristallisierte sich durch die historischen Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als der zeitgeschichtliche Fokus heraus und manifestierte sich in der Teilung der Nation und Europas mit dem Zeichen der Mauer in Berlin.

Das drängte dann – drei Jahre nachdem Beuys „durch die Pforte des Todes“ geschritten war, wie er es in einem anderen seiner letzten Vorträge2 vielleicht schon in einer Vorahnung seines nahen Sterbens ansprach – als die eigentliche Fragestellung von 1989 zur definitiven Entscheidung, zur Entscheidung, Kommunismus und Kapitalismus zu überwinden.

Nahm man, tiefer blickend, die Mauer in Berlin als Metapher für die Konklusio der deutschen Geschichte seit der gescheiterten Revolution von 1848, dann konnte sie einem erscheinen wie die durch den Marxismus-Leninismus und den „rheinischen Kapitalismus“ äußerlich ins Absurde verkommene, steingewordene Philosophie Hegels, These und Antithese, doch ohne die versöhnende, den Gegensatz „aufhebende“ Synthese. Sie im Denken zu entwickeln, um die bestehende miserable Wirklichkeit zur „guten“ zu verwandeln, das wäre die Aufgabe gewesen, die das Volk gehabt hätte und dazu wollte Beuys mit seinem Wirken einen „umfassenden Anstoß“ geben.


Das Weimarer Memorandum
vom 17. Juni 1989
Diese Frage stellte sich am 9. 11. 1989 sozusagen ultimativ und wie sich zeigte war es, als die Mauer fiel, schon zu spät, weil das, was mit dem ››› Weimarer Memorandum als Projekt seit 1986 vorbereitet worden war und dann im Frühjahr bzw. Frühsommer 89 auch zur Verfügung stand, in der Zeit der Euphorie und des „Wahnsinns“ der Emotionen von den Menschen im Denken nicht genügend ergriffen wurde und deshalb nicht wirksam werden konnte. Diese Mauer wurde abgeräumt, ehe in ihrer zeichenhaften Bedeutung erkannt gewesen zu sein und konnte daher nicht zur „Brücke“ umgebaut werden. Ihr Fall wurde zur Falle: Der neoliberale Kapitalismus trat die Weltherrschaft an, und wie es scheint, kann sich ihm niemand entziehen.

Am 11. September 2001 dann der Anschlag auf die andere „Mauer“, die späte Erbschaft jenes ersten „Schutzwalls“ aus dem 17. Jahrhundert und „Unterabteilung“ der New Yorker Börse, deren Adresse „Wallstreet“ längst als Synonym für das System des globalen Finanzkapitalismus steht.

2001 – 33 Jahre nach 1968. Von diesen 33 Jahren als einer wichtige Gesetzmäßigkeit in diesen apokalyptischen Zusammenhängen haben wir ja jetzt schon öfter gehört. Es findet sich der erste Hinweis darauf in einem Vortrag Rudolf Steiners vom 23. Dezember 1917, gehalten in Basel (enthalten im Band der Gesamtausgabe 180), wo er diese Gesetzmäßigkeit in Verbindung bringt mit dem Begriff der „Umlaufzeit geschichtlicher Ereignisse“. Darunter ist zu verstehen, dass ein in das historische Geschehen „hineingeworfener Impuls“ nach 33 Jahren in verwandelter Gestalt aufersteht, was zusammenhängt mit dem Ereignis des Todes und der Auferstehung des Christus vor 2000 Jahren (als dem zentralen Mysterium der christlichen Religion). So lagen die Ereignisse von 1989 in dieser Zeitspanne entfernt zu den Ereignissen von 1956, als im Aufstand der Ungarn gegen die Abhängigkeit von der Sowjetunion und von der Diktatur ihrer nationalen kommunistischen Machthaber der Impuls des dritten Weges zum ersten Mal in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kraftvoll und in einer speziellen Gestalt in Erscheinung trat. Und wenn wir vom 11. September 2001 diese 33 Jahre zurückgehen, kommen wir zu 1968. Und beiden Zusammenhängen 1989 und 2001 – das haben wir gesehen – haben wir es mit einem Mauer-Phänomen zu tun, und in beiden Fällen existierte das Phänomen 28 Jahre lang, so spielen auch die Jahre 1961 und 1973 eine Rolle.

So können wir – in ihren gesetzmäßigen Zusammenhängen – aus den Motiven sehen, wie da Phänomene sind, die objektiv auf bestimmte geschichtliche Aufgabenstellungen hinweisen und die uns gleichzeitig auf das Versäumnis aufmerksam machen, das bisher damit verbunden war und zugleich auch auf die Pflicht, die ihren gegenüber noch immer besteht.

Wenn nun Joseph Beuys – und damit komme ich wieder auf den Anfang zurück – die Twin Towers des WTC nach diesen beiden Heiligen benannte und damit auf das Brüderlichkeitsprinzip hinwies, das für die Weltwirtschaft Geltung erlangen müsse, und wenn man die damit exemplarisch erkennbar werdende volkspädagogische Dimension seines Wirkens und seine Zusammenarbeit mit dem Achberger Unternehmen und was von ihm ausging betrachtet, dann ist ja damit die gesellschaftliche Transformationsaufgabe ins Licht gerückt.

Diese Zusammenhänge, wenn sie von genügend vielen Köpfen verstanden worden wären und wenn sich genügend viele Herzen für diese Dinge erwärmt hätten, wenn in der Welt Verständnis genug dafür leben würde, dass es darum geht, das Bestehende richtig zu verstehen und zu transformieren – ich glaube, wir haben gestern in den Worten von Beuys von der Aufgabe der Transformation schon gehört: dass das Transformationsgeschehen an die Stelle des revolutionären Geschehens zu treten habe – also das es nicht darum geht, das Falsche einfach abzureißen oder mit einem politischen Voluntarismus oder Aktionismus zu bekämpfen. Wenn das rechtzeitig verstanden worden wäre, dann hätten auch diese Türme eine solche geistig-moralische Statik gehabt bzw. bekommen, dass jeder terroristischen Absicht der Boden entzogen gewesen wäre, weil es in einer Welt nach dem Maß des Menschen, in der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die Maßstäbe sind, keinen Terrorismus geben kann, weil dann den destruktiven Kräften keine Angriffsfläche mehr geboten wird.

Fortsetzung im ››› 3. Teil

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Fußnoten:



1.) Der anthroposophische Begriff des Zeitgeistes – dies sie für jene Leser gesagt, die nicht mit der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners Vertrat sind – ist nicht derselbe wie der übliche. Im anthroposophischen Verständnis sind die Zeitgeister Wesenheiten der Hierarchien, von denen sich sieben in einer bestimmten Reihenfolge während jeweils ca. 300 bis 350 Jahren in einer Art Regentschaft ablösen und dabei die Menschheit mit unterschiedlichen Impulsen im Sinne der positiven Entwicklungsintentionen befruchten, wobei sich aber noch zahlreiche andere Wesenheiten mit teils ganz entgegengesetzten Intentionen, die Menschen und Völker irritierend, einmischen. – Nach diesem Verständnis beginnt die „michaelische“ Epoche am Ende der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Sie steht im Zeichen alles dessen, was die Welt und die Menschheit auf die Stufe einer globalen Ganzheit heben möchte und sie löst damit jene Einflüsse ab, die im vorausgehenden „gabrielischen“ Zeitalter z.B. durch die Nationalismen und andere Gegensätze sich auslebten.


2 .) „Aktive Neutralität – Die Überwindung von Kapitalismus und Kommunismus“ am 20. Januar 1985 in Rorschach/Schweiz (FIU-Verlag, Wangen 1989)